Was ein Redaktionsplan festhält und was nicht
Ein Redaktionsplan für Social Media hält für jeden einzelnen Beitrag fest, was erscheint, wann, auf welchem Kanal, wer ihn macht und wie weit er ist. Jede dieser Entscheidungen fällt einmal am Planungstag. Im Alltag musst du sie nicht mehr treffen, du arbeitest sie ab.
Was der Plan nicht festlegt, ist das Ziel. Ob ein Kanal Anfragen bringen soll, Bewerbungen oder Bekanntheit, und welche drei oder vier Themen das tragen, gehört in die Strategie davor. Wie das auf eine Seite passt, steht im Beitrag Strategie auf einer Seite. Der Plan verteilt diese Themen dann auf Wochen.
Auch das Werkzeug ist zweitrangig. Eine geteilte Tabelle reicht für den Anfang. Wann sich ein Planungswerkzeug lohnt, zeigt der Beitrag über den Tool-Stack für Social Media.
Die Vorlage: acht Spalten
Die folgende Vorlage reicht für die meisten Betriebe. Jede Zeile ist ein Beitrag, die Einträge in der rechten Spalte sind Beispiele.
| Spalte | Was hineingehört | Beispiel |
|---|---|---|
| Datum | Tag der Veröffentlichung | Dienstag der zweiten Woche |
| Kanal | wo der Beitrag erscheint | |
| Thema | eines deiner festen Themen | Hinter der Theke |
| Kernaussage | ein Satz, was der Beitrag sagt | Der Sauerteig wird seit Jahren aus demselben Ansatz geführt. |
| Format | Bild, Karussell, Video, Text | Video, kurz |
| Material | was schon da ist und was fehlt | Video gedreht, Text fehlt |
| Stand | Idee, in Arbeit, fertig, eingeplant, online | in Arbeit |
| Wer | eine Person, nicht ein Team | Filialleitung |
Die wichtigste Spalte ist der Stand. Er zeigt dir am Montag, was diese Woche noch fehlt, und nicht erst am Donnerstag. Die Spalte Kernaussage zwingt dazu, das Thema vor dem Produzieren in einem Satz zu sagen. Was sich nicht in einem Satz sagen lässt, ist meist noch kein Beitrag.
Wie viel du planst: für die volle Woche, nicht für die gute
Ein Plan reißt meist in der ersten vollen Woche, weil das Maß für eine ruhige Woche gewählt wurde. Der Psychologe Roger Buehler hat in mehreren Studien gezeigt, dass Menschen meist unterschätzen, wie lange ihre eigenen Aufgaben dauern (Buehler, 2019). Realistischer wird die Schätzung, wenn man frühere ähnliche Vorhaben zum Maßstab nimmt, statt sich den idealen Ablauf vorzustellen.
Für den Plan heißt das: Schau in deinen Kalender des letzten Monats und nimm die vollste Woche. Wie viele Beiträge hättest du darin wirklich geschafft? Das ist dein Maß. Es ist ein Selbsttest und kein Messwert, aber er schützt vor dem Plan, der nur in der Theorie hält.
Warum ein kleineres Maß kein Verlust sein muss, zeigt eine Auswertung von Buffer. Buffer hat Anfang 2025 die Konten von mehr als 100.000 Nutzerinnen und Nutzern über 26 Wochen ausgewertet. Gezählt wurde nicht, wie viel jemand gepostet hat, sondern in wie vielen Wochen überhaupt etwas erschien. Wer in 20 oder mehr dieser Wochen gepostet hat, bekam pro Beitrag im Mittel 450 Prozent mehr Interaktionen als wer in höchstens 4 Wochen gepostet hat (Buffer, Consistent Posting Study).
Die Grenzen gehören dazu. Das ist ein Zusammenhang, kein Beweis für eine Ursache. Untersucht wurden nur Buffer-Kunden, und Buffer verkauft selbst Planungswerkzeuge. Ob mehr als ein Beitrag pro Woche zusätzlich hilft, hat Buffer nicht untersucht. Daraus folgt für mich: Plane die Frequenz für deine volle Woche, nicht für die gute. Die Lücken schaden mehr als ein kleineres Maß.
Den Plan zu halten, wird leichter, wenn die Beiträge nicht einzeln entstehen. Wie du sie im Block vorbereitest, steht in Warum Social Media bei dir immer liegen bleibt.
Ein Beispielmonat mit Reserve
Das folgende Beispiel ist ausgedacht. Eine Bäckerei mit drei Filialen hat entschieden, dass zwei Beiträge pro Woche auch in der Weihnachtszeit gehen. Ihre Themen sind Hinter der Theke, Produkt der Woche, Team und Aus der Region.
| Woche | Beitrag eins | Beitrag zwei |
|---|---|---|
| Woche eins | Hinter der Theke: wie der Sauerteig geführt wird | Produkt der Woche: Roggenmischbrot |
| Woche zwei | Team: die neue Auszubildende in der Backstube | Aus der Region: Mehl von der Mühle im Nachbarort |
| Woche drei | Produkt der Woche: Stollen | Hinter der Theke: warum der Ofen um vier Uhr anläuft |
| Woche vier | Aus der Region: Stand auf dem Weihnachtsmarkt | Team: wer an Heiligabend in welcher Filiale steht |
| Reserve | Produkt der Woche: Dinkelbrötchen, fertig | Hinter der Theke: Teig falten im Zeitraffer, fertig |
Acht Beiträge sind geplant, zwei liegen fertig daneben. Die Reserve sind Beiträge, die nicht an ein Datum gebunden sind. Sie gehen raus, wenn eine Woche ausfällt, und werden danach neu aufgefüllt. Woher die Themen für solche Beiträge kommen, zeigt der Beitrag Content-Ideen finden: fünf Quellen aus dem Alltag.
Wenn der Plan reißt
Irgendwann fällt eine Woche aus. Das ist kein Versagen, sondern der Normalfall, für den der Plan gebaut sein sollte. Damit aus einer ausgefallenen Woche nicht ein aufgegebener Plan wird, helfen vier Regeln, die du vorher festlegst:
- Verschieben statt streichen. Der Beitrag rutscht in die nächste Woche mit freiem Platz. Gestrichen wird nur, was nicht mehr stimmt.
- Reserve einsetzen. Ist bis zur Wochenmitte nichts fertig, geht ein Reservebeitrag raus. Am nächsten Planungstag kommt ein neuer in die Reserve.
- Rubrik ändern statt Disziplin fordern. Wer dieselbe Rubrik dreimal hintereinander verschiebt, hat kein Disziplinproblem, sondern die falsche Rubrik. Sie wird ersetzt oder seltener eingeplant.
- Kurz zurückschauen. Am Planungstag einmal nachsehen, welche Beiträge erschienen sind und welche Rückmeldungen kamen. Wie ein solcher Rückblick aussieht, zeigt das Monatsraster zum Messen.
Eine Sache würde meine Empfehlung ändern: Bleibt die Reserve drei Monate lang unberührt, ist dein Maß zu klein. Dann darf es um einen Beitrag pro Woche steigen.
Gespräch zu deinem Plan
Wenn du deinen Plan nicht allein aufsetzen möchtest, legen wir gemeinsam fest, welches Maß bei dir hält und welche Themen es trägt. Wer das Planen im eigenen Team lernen will, findet die Social-Media-Schulung. Wer es lieber abgibt, findet die Leistungen unter Social Media Management.
Häufige Fragen zum Social-Media-Redaktionsplan
Was ist ein Redaktionsplan für Social Media?
Ein Redaktionsplan für Social Media ist eine Liste aller geplanten Beiträge mit Datum, Kanal, Thema, Format, Zuständigkeit und Stand. Er hält die Entscheidungen fest, die sonst jeden Tag neu fallen würden. Das Ziel des Kanals und die festen Themen kommen aus der Strategie, der Plan verteilt sie auf die Wochen.
Was ist der Unterschied zwischen Redaktionsplan und Content-Kalender?
Im Alltag meinen beide Begriffe meist dasselbe. Wenn man sie trennt, zeigt der Content-Kalender, wann etwas erscheint, und der Redaktionsplan zusätzlich, wer daran arbeitet und wie weit es ist. Für einen kleinen Betrieb reicht eine Tabelle, die beides enthält.
Reicht eine Excel-Tabelle, oder brauche ich ein Werkzeug?
Für den Anfang reicht eine Tabelle, wenn alle Beteiligten sie sehen und ändern können, etwa in Excel oder Google Tabellen. Ein Planungswerkzeug lohnt sich, wenn mehrere Personen freigeben oder mehrere Kanäle parallel laufen und Beiträge automatisch erscheinen sollen.
Wie weit im Voraus solltest du planen?
Einen Monat im Voraus zu planen, ist für die meisten Betriebe ein gutes Maß. Der Plan steht dann vor der vollen Woche, und Aktuelles hat trotzdem Platz, weil die Reserve nicht an ein Datum gebunden ist.
Wie viele Themen oder Rubriken sind sinnvoll?
Drei bis vier feste Themen reichen für die meisten Unternehmen. Wer mehr plant, füllt sie nach einigen Wochen nicht mehr. Eine Rubrik, die dreimal hintereinander verschoben wird, sollte ersetzt werden.
Quellen
- Buffer: Consistent Posting Means 5x More Likes, Comments, and Shares: Study, 2025
- Roger Buehler: The Planning Fallacy, Society for Personality and Social Psychology, 2019
Über die Autorin
Anna Cremer
Anna Cremer ist Gründerin und Inhaberin von CremerMedia in Lennestadt im Sauerland. Sie ist seit 2006 selbstständig in der Medienbranche und seit 2012 im Online-Marketing tätig. Sie plant und betreut Social Media für Unternehmen und begleitet sie bei SEO und Websites.
Sie bildet unter anderem Social Media Manager aus und schult Marketingteams darin, ihre Kanäle selbst zu planen. Anna Cremer ist IHK-zertifizierte Social Media Managerin und IHK-zertifizierte Fachkraft für Webdesign einschließlich WordPress und SEO.