Frau im roten Anzug sitzt mit Kaffeebecher auf einer Dachterrasse vor der Hochhauskulisse

Personal Branding für Geschäftsführer: Wann sich LinkedIn lohnt und was du abgeben kannst

Die Firmenseite auf LinkedIn postet zuverlässig: eine neue Kollegin, ein Messetermin, ein Jubiläum. Vor dem ersten Gespräch schauen Kunden, Bewerber und Partner trotzdem oft auf einen anderen Namen, nämlich deinen. Ob du dort selbst etwas sagst oder ob dein Profil seit Jahren unverändert ist, sehen sie sofort.

Eigene Sichtbarkeit als Geschäftsführer lohnt sich, wenn drei Dinge zusammenkommen: Deine Kunden müssen einer Person vertrauen, bevor sie kaufen, du hast Themen, die nur du erzählen kannst, und du gibst dafür gut eine Stunde pro Woche her. Abgeben kannst du dabei die Vorarbeit, nicht die Stimme. Fehlt eine der drei Bedingungen, ist ein anderer Weg besser, und auch der steht hier.

Drei Fragen entscheiden, ob es sich für dich lohnt

Personal Branding ist kein Selbstzweck. Es lohnt sich dort, wo die Person an der Spitze für die Kaufentscheidung einen Unterschied macht. Drei Fragen klären das schneller als jede Statistik.

Frage Wenn ja Wenn nein
Kaufen deine Kunden auch Vertrauen in eine Person, etwa bei Beratung, Projekten, Handwerk oder langen Geschäftsbeziehungen? Dein Profil kann Vertrauen aufbauen, bevor jemand anfragt. Bei reinem Preis- oder Kataloggeschäft wiegt die Person wenig. Lies den Abschnitt, wann du besser nicht selbst postest.
Hast du Themen, die nur du aus erster Hand kennst? Daraus entstehen Beiträge, die kein Wettbewerber kopieren kann. Sammle eine Weile Kundenfragen und Entscheidungen, bevor du anfängst.
Gibst du gut eine Stunde pro Woche dafür her, auch in vollen Wochen? Plane sie fest ein, wie einen Termin. Gib mehr Vorarbeit ab oder fang nicht an. Ein Profil, das nach kurzer Zeit verstummt, wirkt schlechter als eines, das nie angefangen hat.

Dreimal Ja heißt: anfangen. Ein Nein heißt nicht automatisch aufhören, aber nachbessern, bevor der erste Beitrag erscheint.

Dein Profil erreicht andere Menschen als die Firmenseite

Der häufigste Einwand lautet: Die Firmenseite reicht doch. Für Offizielles stimmt das. Für Vertrauen hat sie einen Nachteil, und der steckt in der Art, wie LinkedIn Beiträge verteilt.

LinkedIn hat seinen Feed 2019 so beschrieben: Menschen, die du kennst, sprechen über Dinge, die dir wichtig sind. Ausgewertet werden laut LinkedIn unter anderem, mit wem du direkt interagierst, was ihr im Profil gemeinsam habt und mit wem du nach eigener Angabe zusammenarbeitest. Daraus folgt: Ein Beitrag von dir landet zuerst bei Menschen, mit denen du schon zu tun hast, bei Kunden, Partnern, Bewerbern und deinem eigenen Team. Die Unternehmensseite hat diese Beziehungen nicht, sie hat Follower. Wie LinkedIn Beiträge heute im Einzelnen gewichtet, veröffentlicht das Netzwerk nicht. Mehr dazu steht im Beitrag darüber, wie der LinkedIn-Algorithmus Beiträge verteilt.

Dazu kommt, was Fachbeiträge bei Entscheidern auslösen. Edelman und LinkedIn haben für ihren Bericht 2024 knapp 3.500 Führungskräfte in sieben Ländern befragt. Ihr Befund: Gute Fachbeiträge wirken stärker als klassische Werbung und machen Entscheider eher bereit, einen Anbieter von sich aus aufzusuchen und für Expertise mehr zu zahlen. LinkedIn verdient an genau diesem Ergebnis mit, das gehört zur Einordnung dazu. Gerade im B2B fällt ein großer Teil der Entscheidung, bevor jemand überhaupt anfragt.

Die Firmenseite bleibt also wichtig, für Stellenanzeigen, Termine und alles, was das Unternehmen offiziell sagt. Dein Profil übernimmt den Teil, den eine Seite nicht leisten kann: zeigen, wie in deinem Betrieb gedacht und entschieden wird.

Gut eine Stunde pro Woche: eine Modellrechnung

Die Zeit der Geschäftsführung ist die teuerste im Betrieb. Deshalb gehört die Rechnung vor den ersten Beitrag. Das ist eine Modellrechnung, keine Messung, für einen Beitrag pro Woche:

Schritt Zeit pro Woche Was passiert
Notizen aus der Woche 20 Minuten Kundenfragen, Entscheidungen und Beobachtungen festhalten, am besten direkt nach dem Gespräch
Schreiben und Freigeben 30 Minuten aus einer Notiz einen Beitrag machen oder einen Entwurf aus dem Team prüfen und freigeben
Antworten auf Kommentare 15 Minuten auf Fragen und Widerspruch selbst reagieren
Zusammen 65 Minuten über 52 Wochen gut 56 Stunden im Jahr

Gibst du die Vorarbeit ab, schrumpft vor allem der mittlere Schritt. Notizen und Antworten bleiben bei dir, weil nur du weißt, was in der Woche passiert ist, und weil Antworten genau die Interaktion sind, nach der LinkedIn verteilt. Wer diese Zeit nicht fest einplant, merkt es schnell: Der Beitrag rutscht hinter jedes Kundentelefonat.

Worüber nur du schreiben kannst

Die besten Themen liegen nicht in Trendlisten, sondern in deinem Kalender. Was Entscheider an Fachbeiträgen schätzen, ist eine Sicht aus erster Hand, und die hat in einem mittelständischen Betrieb vor allem die Person an der Spitze.

Themenart So kann ein Beitrag beginnen Worauf du achtest
eine Entscheidung erklären „Wir haben uns gegen den günstigeren Lieferanten entschieden, und zwar aus diesem Grund.“ keine Vertragsdetails, keine Namen ohne Einwilligung
eine Kundenfrage beantworten „Diese Frage hören wir vor fast jedem Auftrag.“ die Frage verallgemeinern, keinen Kunden erkennbar machen
einen Fehler und was daraus folgte „Das machen wir heute anders, nachdem es einmal schiefging.“ sachlich bleiben, niemandem die Schuld zuschieben
Einstellung und Arbeitsweise „So läuft bei uns die erste Woche für neue Kolleginnen und Kollegen.“ mit dem Team abstimmen, bevor du über Menschen schreibst
die Branchenlage einordnen „Was die neue Regel für Betriebe wie unseren konkret ändert.“ die Quelle verlinken, die eigene Folgerung als solche kennzeichnen

Die Satzanfänge sind ausgedachte Beispiele. Werbung für das eigene Angebot gehört nicht in diese Liste. Wer erklärt, wie der Betrieb arbeitet, verkauft mit. Wer nur verkauft, verliert die Leser.

Was du abgibst und was bei dir bleibt

Viele Geschäftsführer scheitern nicht am Schreiben, sondern an allem davor und danach. Genau dieser Teil lässt sich abgeben. Was sich nicht abgeben lässt, ist das, woran Leser dich erkennen.

Aufgabe Wer Warum
Notizen und Themen aus der Woche du, das Team hilft beim Sammeln nur du weißt, was passiert ist
Entwurf schreiben Team oder Agentur Handwerk, das sich lernen und abgeben lässt
Bild, Formatierung und Planung Team oder Agentur kostet Zeit, braucht keine Geschäftsführung
Freigabe jedes Beitrags du es steht dein Name darunter
Antworten auf Kommentare du das Gespräch ist der eigentliche Wert, und LinkedIn verteilt nach Interaktion
Haltung zu strittigen Fragen du eine Position lässt sich nicht delegieren

Damit ein Entwurf aus fremder Hand nach dir klingt, braucht er eine Vorlage: wie du sprichst, welche Wörter du nie benutzt, worüber du nicht schreibst. Ein Gerüst für deine Markenstimme hilft, das einmal festzuhalten. Abgeben kannst du die Vorarbeit, nicht die Stimme.

Drei Bedenken, ernst genommen

Drei Bedenken stehen eigener Sichtbarkeit oft im Weg. Sie sind berechtigt, und sie lassen sich klein halten, wenn du sie vorher regelst.

Ich will nichts Privates zeigen. Musst du nicht. Persönlich heißt nicht privat. Wer über Entscheidungen, Fehler und Kundenfragen aus dem Betrieb schreibt, zeigt Haltung, nicht das Wohnzimmer. Wo die Grenze für dich liegt, klärst du am besten vor dem ersten Beitrag, dazu mehr im Beitrag, wo die Grenze zwischen privat und geschäftlich liegt.

Ich will mich nicht angreifbar machen. Kritik kann kommen, gerade wenn du Haltung zeigst. Leg vorher fest, worauf du antwortest, was du stehen lässt und was du löschst, etwa Beleidigungen. Mit solchen Regeln wird ein schwieriger Kommentar zu einer Entscheidung, nicht zu einer Krise.

Ich halte das nicht durch. Deshalb steht oben die Rechnung und unten ein Plan mit festem Rhythmus. Ein Beitrag pro Woche, der erscheint, wirkt mehr als drei, die angekündigt waren.

Wann du besser nicht selbst postest

Nicht jeder Geschäftsführer muss auf LinkedIn sichtbar sein. Bei reinem Preis- oder Kataloggeschäft, ohne eigene Themen oder ohne die Zeit aus der Rechnung oben ist ein anderer Weg besser. Ein halbherziges Profil mit einem Beitrag im Quartal sagt mehr über fehlende Zeit als über den Betrieb.

Der andere Weg: Die Firmenseite bleibt für Offizielles zuständig, Fachwissen steht auf der eigenen Website, und Mitarbeitende, die gern schreiben, werden zu Absendern. Wie das funktioniert, steht im Beitrag über Mitarbeitende als Absender. Die Entscheidung lässt sich jederzeit umkehren. Wer heute bewusst nicht anfängt, kann es später mit besserem Material tun.

Die ersten vier Wochen

Für den Start reichen ein Kanal und ein Beitrag pro Woche. Nach vier Wochen entscheidest du, ob du weitermachst, mehr abgibst oder aufhörst.

Woche Aufgabe Ergebnis
erste Profil aktualisieren: Foto, eine Kopfzeile, die sagt, was dein Betrieb für wen löst, ein kurzer Info-Text ein Profil, das zur ersten Nachricht passt
zweite einen Beitrag schreiben, der eine Kundenfrage beantwortet erster Beitrag, erste Antworten auf Kommentare
dritte einen Beitrag schreiben, der eine Entscheidung erklärt zweiter Beitrag, Notizen für die nächsten
vierte einen dritten Beitrag schreiben und zurückschauen Entscheidung: weitermachen, abgeben oder aufhören

Beim Zurückschauen zählen nicht die Likes, sondern Gespräche: Hat dich jemand auf einen Beitrag angesprochen, dir eine Nachricht geschickt oder im Kundengespräch darauf Bezug genommen? Eine Probe vorab: Denk an Beiträge von Geschäftsführern, die dir in den letzten Monaten im Gedächtnis geblieben sind, und notiere, worüber sie geschrieben haben. Achte darauf, ob es Erfolgsmeldungen waren oder Entscheidungen und Erfahrungen. Dein eigener Feed ist keine Studie, aber ein guter Anfang für deine Themenliste.

Wenn du die Vorarbeit abgeben willst, gehört sie bei CremerMedia zum Social Media Management, mit LinkedIn als möglichem Kanal; welche Aufgaben bei dir bleiben, legen wir vorher gemeinsam fest. Wenn du lieber selbst schreiben willst, hilft eine Schulung am eigenen Kanal. Welcher Weg zu dir passt, klären wir in einem Gespräch.

Häufige Fragen zu Personal Branding für Geschäftsführer

Muss ich als Geschäftsführer Privates zeigen?

Nein. Persönlich heißt nicht privat. Es reicht, deine Sicht auf Entscheidungen, Kundenfragen und die Branche zu zeigen. Wie viel darüber hinaus sichtbar wird, legst du vorher fest, nicht im Moment des Postens.

Kann eine Agentur meine LinkedIn-Beiträge schreiben?

Die Entwürfe ja, wenn sie auf deinen Notizen beruhen und du jeden Beitrag selbst freigibst. Antworten auf Kommentare und deine Haltung zu strittigen Fragen bleiben bei dir, sonst merken Leser den Unterschied.

Was, wenn ich nicht vor die Kamera will?

Dann schreib. Auf LinkedIn tragen Text und ein Foto aus dem Betrieb genauso. Video ist eine Möglichkeit, keine Voraussetzung.

Was passiert mit meinem Profil, wenn ich das Unternehmen verlasse?

Das Profil ist dein persönliches Konto und bleibt bei dir. Deshalb lohnt es sich, Firmenseite und Website parallel zu pflegen und Fachwissen aus deinen Beiträgen auch dort festzuhalten.

Quellen und weiterführende Informationen

Über die Autorin

Anna Cremer

Gründerin und alleinige Inhaberin von CremerMedia in Lennestadt im Sauerland. Selbstständig in der Medienbranche seit 2006, im Online-Marketing seit 2012, CremerMedia gibt es seit 2016. Sie arbeitet in erster Linie als Freelancerin und wird von drei Personen unterstützt. Als Strategin, Produzentin und Dozentin betreut sie Kundschaft vom Handwerksbetrieb bis zum Marketingteam mit eigener Rechtsabteilung.

Als Dozentin bildet sie Social Media Manager und SEO Manager aus und schult Marketingteams. IHK-zertifizierte Social Media Managerin, IHK-zertifizierte Fachkraft für Webdesign einschließlich WordPress und SEO, Weiterbildungen bei Google, LinkedIn und Meta.

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