01 Warum bekommt man nie eine klare Preisauskunft?
Weil der größte Kostenfaktor unsichtbar ist und niemand ihn gern beziffert. Bei Social Media steckt der Aufwand nicht im Werkzeug, sondern in der Arbeitszeit, und die wird je nach Weg von dir, einem Freelancer oder einer Agentur getragen. Wer nur die Rechnung anschaut, sieht deshalb nie den vollen Preis.
Dazu kommt, dass Social Media kein fertiges Produkt ist, sondern eine laufende Leistung. Ein Logo kauft man einmal, Social Media läuft Monat für Monat weiter. Deshalb taugt die Frage nach dem einen Preis nicht, sinnvoll ist nur die Frage nach den monatlichen Kosten je Weg. Und genau die lassen sich beziffern, sobald man die versteckten Posten mitrechnet.
Ein Hinweis zur Einordnung vorweg: Die folgenden Eurobeträge sind marktübliche Orientierungswerte aus Branchen- und Plattformangaben, keine amtliche Statistik. Wo es harte, geprüfte Zahlen gibt, etwa zu Arbeitskosten oder Honoraren, sind sie als Quelle verlinkt. Die Spannen sollen ein Gefühl für Größenordnungen geben, keine verbindliche Preisliste ersetzen.
02 Was kostet „selbst machen“ wirklich?
Auf der Rechnung fast nichts, in Wahrheit am meisten. Wer Social Media selbst übernimmt, zahlt nur ein paar Tool-Lizenzen, der Rest scheint gratis. Genau das ist die Falle, denn der eigentliche Preis ist die Zeit, die anderswo fehlt.
Die sichtbaren Kosten sind schnell genannt. Ein schlanker Werkzeugkasten aus einem Designtool wie Canva Pro für rund 12 Euro im Monat (Finom, 2026) und einem Planungstool wie Metricool ab etwa 18 Euro im Monat (Metricool, 2026) liegt zusammen bei rund 30 bis 50 Euro monatlich. Das ist die ganze sichtbare Rechnung.
Der versteckte Posten ist die eigene Arbeitszeit, und der ist groß. Wer Social Media ordentlich macht, investiert leicht zehn bis zwanzig Stunden im Monat. Was diese Stunden den Betrieb kosten, rechnen wir in Abschnitt sechs genau aus, so viel vorweg: Es ist ein drei- bis vierstelliger Betrag, der nur deshalb nicht weh tut, weil er nirgends auftaucht.
Dazu kommt ein zweiter unsichtbarer Posten, die Lernkurve. In den ersten Monaten kostet jede Aufgabe doppelt so lange, weil Schnitt, Format und Tonalität erst sitzen müssen. Was ein Profi in zwanzig Minuten erledigt, frisst am Anfang schnell eine Stunde. Selbst machen ist also nicht nur Arbeitszeit, sondern auch Ausbildungszeit, die niemand vergütet.
03 Was kostet ein Freelancer?
Meist zwischen 800 und 2.000 Euro im Monat, je nach Umfang und Erfahrung. Ein Freelancer übernimmt die Produktion und gibt dir deine Zeit zurück, dafür zahlst du ein klares Honorar statt unsichtbarer Stunden. Das macht die Kosten ehrlicher, aber nicht automatisch kleiner.
Die Stundensätze sind gut belegt. Marketing-Freelancer in Deutschland verlangen laut der Freelancer-Studie von freelance.de im Schnitt rund 87 Euro pro Stunde (freelance.de, 2026), über alle Branchen liegt der Durchschnitt laut Freelancer-Kompass sogar bei rund 103 Euro (freelancermap, 2026). Bei zehn bis zwanzig Stunden im Monat ergibt das die genannte Spanne.
87 €
pro Stunde verlangen Marketing-Freelancer in Deutschland im Schnitt laut der freelance.de-Studie (2026). Daraus ergibt sich die monatliche Spanne.
Der versteckte Posten beim Freelancer ist zweigeteilt. Erstens trägst du die Tool-Lizenzen oft selbst, zweitens kostet die Zusammenarbeit Zeit: Briefings, Freigaben, Rückfragen. Ein Freelancer nimmt dir die Produktion ab, nicht die Führung. Wer das einplant, erlebt keine böse Überraschung, wer es vergisst, wundert sich über den Mehraufwand.
Bei der Auswahl lohnt der Blick auf Verlässlichkeit statt nur auf den Stundensatz. Ein günstiger Freelancer, der unregelmäßig liefert, kostet am Ende mehr als ein etwas teurerer, auf den Verlass ist. Feste Reaktionszeiten, eine klare Absprache über den Umfang und ein kurzer monatlicher Austausch trennen die solide Zusammenarbeit von der, die nach drei Monaten still einschläft.
04 Was kostet eine Agentur?
Für eine Standardbetreuung von ein bis zwei Kanälen meist 1.200 bis 2.500 Euro im Monat, für Vollbetreuung mit Werbung und Video oft 2.500 bis 5.000 Euro und mehr. Eine Agentur bringt ein ganzes Team statt einer Person, also Strategie, Text, Design und Auswertung aus einer Hand. Dafür liegt der Einstieg höher als beim Freelancer.
Diese Spannen ziehen sich erstaunlich einheitlich durch unabhängige Branchenquellen, vom Fachportal Dr. Web bis zu mehreren Agenturübersichten (Dr. Web, 2026). Es gibt also keine amtliche Tabelle, aber ein klares Marktbild, das sich quer durch unabhängige Quellen erstaunlich gleich liest.
Der versteckte Posten bei der Agentur ist das Werbebudget. Der Retainer bezahlt die Arbeit, nicht die Anzeigenschaltung, und die kommt oft obendrauf. Ein realistisches Meta-Werbebudget für ein KMU liegt je nach Ziel zwischen einigen Hundert und mehreren Tausend Euro im Monat (webtak.de, 2026). Wer das nicht einplant, vergleicht Äpfel mit Birnen.
Innerhalb der Agenturspanne entscheidet vor allem, was geliefert wird. Eine günstige Betreuung am unteren Ende bedeutet oft nur das reine Veröffentlichen fertiger Inhalte, während der obere Bereich Strategie, eigene Produktion, Werbung und monatliches Reporting umfasst. Der Preis allein sagt also wenig, solange die Leistung dahinter nicht klar benannt ist. Genau deshalb lohnt beim Vergleich die Frage, was konkret jeden Monat passiert.
05 Die drei Szenarien im direkten Vergleich
Nebeneinander gestellt wird der eigentliche Unterschied sichtbar. Nicht der Rechnungsbetrag entscheidet, sondern die Summe aus sichtbaren und versteckten Kosten:
| Weg | Sichtbar pro Monat | Versteckter Faktor | Gesamt-Orientierung |
|---|---|---|---|
| Selbst machen | Tools 30 bis 50 Euro | deine Zeit, 10 bis 20 Std. | rund 500 bis 1.650 Euro |
| Freelancer | Honorar 800 bis 2.000 Euro | Tools und Briefing-Zeit | rund 900 bis 2.300 Euro |
| Agentur | Retainer 1.200 bis 5.000 Euro | Werbebudget obendrauf | rund 1.700 bis 5.500 Euro plus |
Die Tabelle zeigt das Überraschende: Selbst machen ist nicht die billigste Variante, sobald man die eigene Zeit fair bewertet. Es verschiebt den Preis nur von der Rechnung in den Kalender. Welcher Weg sich lohnt, hängt deshalb weniger am Budget als an der Frage, was deine eigene Stunde wert ist und ob du sie wirklich übrig hast.
Ein Blick lohnt auch auf die Verlässlichkeit. Selbst machen bricht erfahrungsgemäß als Erstes weg, wenn das Tagesgeschäft eng wird, während ein Freelancer oder eine Agentur unabhängig von deiner Woche liefert. Diese Konstanz ist ein stiller Wert, der in keiner Tabelle steht, aber oft den Unterschied zwischen einem schlafenden und einem lebendigen Profil ausmacht.
Die teuerste Variante ist fast immer die, bei der du deine eigenen Stunden nicht mitzählst.
Anna Cremer, CremerMedia
Zum Mitnehmen
Unsicher, welcher Weg sich für dich rechnet?
Zwei Minuten genügen, um deine Lage zu schildern. Eine ehrliche Einschätzung, was bei dir sinnvoll ist, kommt in der Regel innerhalb von 24 Stunden.
06 Was kostet eine Stunde deiner Zeit?
Mehr, als die meisten Inhaber denken, und genau das macht „selbst machen“ so trügerisch. Solange die eigene Stunde mit null angesetzt wird, gewinnt sie jeden Vergleich, was offensichtlich falsch ist. Eine kurze Rechnung schafft Klarheit.
Der Stundenwert eines Inhabers ergibt sich aus einer einfachen Formel:
Zum Mitnehmen
Methode: kalkulatorischer Unternehmerlohn geteilt durch produktive Jahresstunden.
Beispiel: 60.000 Euro Unternehmerlohn geteilt durch rund 1.600 produktive Stunden ergibt etwa 37,50 Euro pro Stunde an reinem Lohnwert.
Mit Nebenkosten: realistisch landet die Vollkosten-Stunde bei 45 bis 80 Euro, je nach Betrieb.
Dieser Bereich ist amtlich gedeckt. Laut Statistischem Bundesamt lagen die durchschnittlichen Arbeitskosten in Deutschland 2025 bei 45 Euro je geleisteter Stunde (Destatis, 2026). Das ist, was eine bezahlte Arbeitsstunde einen Betrieb im Schnitt kostet, und ein fairer unterer Anker auch für die eigene Zeit.
45 €
kostet eine Arbeitsstunde in Deutschland im Schnitt laut Destatis (2025). Zehn bis zwanzig solche Stunden im Monat sind der wahre Preis von „selbst machen“.
Jetzt schließt sich der Kreis. Zehn bis zwanzig Stunden im Monat mal 45 bis 80 Euro ergeben 450 bis 1.600 Euro an unsichtbaren Kosten, jeden Monat. Genau deshalb ist selbst machen oft teurer als ein Freelancer, nur eben in einer Währung, die kein Konto belastet, sondern den Kalender und die Nerven.
Diese Rechnung ist kein Argument gegen das Selbermachen, sondern für Ehrlichkeit. Wer seine Stunde kennt und sie bewusst investiert, trifft eine gute Entscheidung. Schwierig wird es nur, wenn die eigene Zeit behandelt wird, als wäre sie gratis, denn dann fällt jeder Vergleich zwangsläufig zugunsten der scheinbar billigsten Variante aus.
07 Welches Szenario passt zu wem?
Das hängt davon ab, ob bei dir Zeit oder Geld knapper ist. Es gibt kein bestes Szenario, nur ein passendes, und die Entscheidung lässt sich auf eine ehrliche Frage zuspitzen. Drei Faustregeln helfen weiter:
- Selbst machen passt, wenn echte freie Zeit da ist, der Spaß daran besteht und das Budget knapp ist. Es eignet sich für den Start.
- Freelancer passt, wenn klare Vorstellungen da sind, aber die Zeit zur Umsetzung fehlt und ein fester Ansprechpartner reicht.
- Agentur passt, wenn mehrere Kanäle, Werbung und Strategie aus einer Hand kommen sollen und Verlässlichkeit wichtiger ist als der niedrigste Preis.
Oft ist der klügste Weg ein Wechsel über die Zeit. Viele starten selbst, um ein Gefühl zu bekommen, geben dann die Produktion an einen Freelancer ab und wechseln zur Agentur, sobald Werbung und mehrere Kanäle dazukommen. Welche Logik hinter professionellen Preisen steckt, zeigt der Beitrag Social Media Marketing Preise 2026.
Wichtig ist, die Entscheidung nicht als endgültig zu verstehen. Der Bedarf wächst mit dem Geschäft, und was heute als Sologründung selbst gemacht wird, kann in zwei Jahren ein Fall für ein ganzes Team sein. Die Kosten richtig einzuschätzen heißt deshalb auch, den eigenen Weg ab und zu neu zu prüfen, statt einmal zu entscheiden und nie wieder hinzuschauen.
Zum Mitnehmen
Jeder Weg hat einen sichtbaren Preis und einen versteckten: deine Zeit, die Tools, das Werbebudget. Erst beide zusammen ergeben die ehrliche Rechnung.
08 Was heißt das für dich?
Es heißt, dass die Frage nicht lautet, was Social Media kostet, sondern welcher Preis bei dir am wenigsten weh tut. Sobald du deine eigene Stunde ehrlich bewertest, verschwindet die Illusion vom kostenlosen Selbermachen, und der Vergleich wird fair. Dann zeigt sich, dass ein Freelancer oder eine Agentur nicht teuer ist, sondern oft nur sichtbar macht, was du heute schon zahlst, nur eben in Zeit statt in Euro. Mit den Spannen aus diesem Artikel und der Stundenrechnung kannst du zum ersten Mal eine Entscheidung auf Zahlen stützen statt auf ein Bauchgefühl. Wie sich diese Investition in ein ganzes Marketingmodell einfügt, zeigt der Beitrag Digital Marketing 2026.
Weitere interessante Informationen zum Thema findest du in den folgenden Quellen:
Statistisches Bundesamt, Arbeitskosten je Stunde, 2026 (destatis.de) · freelance.de, Freelancer-Studie, 2026 (freelance.de) · freelancermap, Freelancer-Kompass, 2026 (freelancermap.de) · Dr. Web, Social-Media-Agentur-Kosten, 2026 (drweb.de) · Metricool, Preisliste, 2026 (metricool.com).
FAQ
Häufige Fragen, klare Antworten
Häufige Fragen
Ist selbst machen nicht immer am günstigsten?+
Nur auf der Rechnung. Sobald die eigene Arbeitszeit fair mit 45 bis 80 Euro pro Stunde bewertet wird, kostet selbst machen oft mehr als ein Freelancer. Der Preis verschwindet nicht, er wandert nur vom Konto in den Kalender.
Warum schwanken die Agenturpreise so stark?+
Weil Leistung dahinter sehr unterschiedlich sein kann. Vier Posts im Monat sind etwas anderes als Strategie, Video, Werbung und Reporting. Die Spanne von 1.200 bis 5.000 Euro spiegelt vor allem den Umfang wider, nicht Willkür.
Ist das Werbebudget im Agenturpreis enthalten?+
In der Regel nicht. Der Retainer bezahlt die Arbeit an den Kampagnen, das Geld für die Anzeigen selbst kommt obendrauf und fließt direkt an die Plattform. Beim Vergleich von Angeboten lohnt sich die genaue Nachfrage, was inklusive ist.
Wie viel Werbebudget braucht ein KMU am Anfang?+
Zum Testen genügen oft einige Hundert Euro im Monat. Für sichtbare Ergebnisse sind je nach Ziel eher mittlere vierstellige Beträge nötig. Wichtig ist, klein und kontrolliert zu starten und erst zu erhöhen, wenn die Zahlen stimmen.
Welche Tools braucht man wirklich?+
Für den Start reichen ein Designtool und ein Planungstool, zusammen rund 30 bis 50 Euro im Monat. Teure Profi-Suiten lohnen sich erst, wenn mehrere Kanäle und mehrere Hände zusammenkommen. Vieles geht anfangs auch in der kostenlosen Version, und erst wenn die Zeit knapp wird, zahlt sich der Aufpreis für Automatik und Vorlagen wirklich aus. Wer mit wenig startet, verschenkt nichts, sondern hält die Fixkosten niedrig, solange das System noch wächst.
Sind diese Zahlen verbindliche Preise?+
Nein, es sind marktübliche Orientierungswerte aus Branchen- und Plattformangaben. Harte Zahlen wie die Arbeitskosten oder die Freelancer-Honorare sind als Quelle verlinkt, die Spannen geben ein Gefühl für Größenordnungen, kein festes Angebot.
Über die Autorin
Anna Cremer
Gründerin und Inhaberin von CremerMedia, einer Marketingagentur mit fünfköpfigem Team in Lennestadt im Sauerland. Selbstständig in der Medienbranche seit 2006, im Online-Marketing seit 2012, CremerMedia gibt es seit 2016. Sie arbeitet als Strategin, Produzentin und Dozentin und betreut Kundschaft vom Handwerksbetrieb bis zum Marketingteam mit eigener Rechtsabteilung.
Als Dozentin bildet sie Social Media Manager und SEO Manager aus und schult Marketingteams. IHK-zertifizierte Social Media Managerin, IHK-zertifizierte Fachkraft für Webdesign einschließlich WordPress und SEO, Weiterbildungen bei Google, LinkedIn und Meta.