Laptop auf einem Holztisch zeigt ein Dashboard mit Balkendiagramm und Kennzahlen

Social Media Reporting prüfen: welche Zahlen eine Entscheidung tragen

„Diesen Monat hatten wir 4.120 Profilaufrufe.“ Wenn das alles ist, was du über deine Social Media Betreuung erfährst, fehlt dir die Grundlage für jede Entscheidung. Genauso wenig hilft aber ein Bericht, der aus jeder einzelnen Zahl eine sichere Diagnose macht. Ein gutes Reporting zeigt, welche Beobachtungen eine Empfehlung tragen und wo noch eine Frage offen ist.

Dieser Beitrag richtet sich an Unternehmen, die Berichte ihrer Agentur oder ihrer Betreuung beurteilen wollen. Er zeigt an einem ausgedachten Beispiel, wo Zahlen zu schnell gedeutet werden, welche Entscheidungen ein Bericht treffen kann und mit welcher Prüfliste du deinen eigenen Bericht in wenigen Minuten einschätzt. Wenn du deine Zahlen selbst auswertest, hilft dir das Monatsraster mit Excel Vorlage.

In diesem Beitrag

Was ein Bericht leisten muss

Ein brauchbarer Social Media Bericht beantwortet drei Fragen:

  1. Was ist passiert? Mit Zeitraum, Definitionen und absoluten Zahlen, nicht nur mit Prozenten.
  2. Was könnte es bedeuten? Mit mehr als einer möglichen Erklärung, wenn die Daten mehrere zulassen.
  3. Was folgt daraus? Eine begründete nächste Prüfung oder Entscheidung. Das kann auch „weiter beobachten“ sein.

Die dritte Frage ist die wichtigste, aber nicht jede Zahl verlangt eine Änderung. Wer aus jeder Bewegung sofort eine Maßnahme ableitet, baut seinen Auftritt ständig um und kann am Ende nicht mehr sagen, was gewirkt hat.

Ein ausgedachtes Beispiel: der Monatsbericht eines Fitnessstudios

Das folgende Beispiel ist erfunden und stammt aus keiner Kundenbetreuung. Ein Fitnessstudio wirbt auf Instagram ohne Anzeigen für ein kostenloses Probetraining. Die Herkunft der Buchungen wird bei der Anmeldung abgefragt. Verglichen werden zwei Kalendermonate.

Kennzahl Vormonat Berichtsmonat
Profilaufrufe 3.490 4.120 (plus 18 %)
Klicks auf den Link zum Probetraining 98 86 (minus 12 %)
Gebuchte Probetrainings mit Herkunft Instagram 8 11
Verträge nach dem Probetraining 3 von 8 (37,5 %) 4 von 11 (36,4 %)
Ausgedachtes Beispiel, keine Kundendaten

Ein Bericht, der zu schnell deutet, macht daraus vier sichere Aussagen. Die Tabelle zeigt, was jede Zahl tatsächlich trägt:

Beobachtung Vorschnelle Deutung Was zunächst zu prüfen wäre
Profilaufrufe steigen Das neue Reel bringt neue Menschen. Ob es neue oder wiederholte Besuche sind, woher sie kommen und welchen Anteil das Reel hat.
Klicks sinken Der Kontaktweg funktioniert schlechter. Gleichzeitig steigen die Probetrainings. Wie hängen beide Zahlen zusammen?
Probetrainings steigen Mehr Beiträge zu Rücken und Reha machen. Welche Inhalte die Buchenden tatsächlich gesehen haben.
Abschlussquote sinkt Das Problem liegt im Verkaufsgespräch, nicht im Marketing. Die Fallzahl. Die Quote fällt um gut einen Prozentpunkt, die Zahl der Verträge steigt von drei auf vier.
Vorschnelle Deutung und was die Daten tatsächlich tragen

Zwei Rechnungen ändern das Bild. Erstens: Im Vormonat kamen auf 98 Klicks 8 Probetrainings, rund 8 Prozent. Im Berichtsmonat kamen auf 86 Klicks 11 Probetrainings, knapp 13 Prozent. Weniger Klicks und mehr Buchungen sind also zunächst ein gutes Zeichen, kein kaputter Kontaktweg. Ein Beweis für einen besseren Ablauf ist das noch nicht, denn manche Buchung kommt vielleicht per Telefon oder Nachricht oder mit Verzögerung aus dem Vormonat.

Zweitens: Bei elf Probetrainings entspricht eine einzige Person rund neun Prozentpunkten Abschlussquote. Eine Veränderung von einem Prozentpunkt sagt bei dieser Fallzahl nichts aus. Und selbst eine deutlich sinkende Quote läge nicht automatisch außerhalb des Marketings: Wenn Inhalte falsche Erwartungen wecken oder weniger passende Menschen anziehen, zeigt sich das ebenfalls erst beim Abschluss.

So formuliert ein belastbarer Bericht dieselben Zahlen

Beobachtung Mögliche Erklärungen Nächster Schritt
Mehr Profilaufrufe Das Reel, wiederholte Besuche bestehender Follower, Jahreszeit Herkunft der Aufrufe in der Statistik ansehen, Reel unverändert weiterlaufen lassen
Weniger Klicks, mehr Probetrainings Gezieltere Besucher, Buchungen über andere Wege, Zeitversatz Kontaktweg nicht ändern, bei jeder Buchung den Weg erfassen
Mehr Verträge, Quote fast gleich Zufall bei kleiner Fallzahl, Inhalte, Angebot und Preis Über drei Monate beobachten, Gründe für Absagen beim Probetraining notieren lassen
Dieselben Zahlen, vorsichtig gedeutet

Was im Beispiel noch fehlt, um über Wirtschaftlichkeit zu sprechen: die Kosten der Betreuung, der Wert eines Vertrags und die Zahlen über mehrere Monate. Ohne sie lässt sich sagen, was passiert ist, aber nicht, ob es sich rechnet.

Welche Entscheidungen ein Bericht treffen kann

Eine fundierte Entscheidung ist nicht immer eine Änderung. Diese Möglichkeiten sollte ein Bericht kennen:

  • Weiter beobachten, weil die Fallzahl zu klein ist.
  • Einen Messfehler beheben, bevor Inhalte verändert werden, etwa einen Link ohne Kampagnenkennung oder eine fehlende Herkunftsfrage.
  • Erfolgreiche Arbeit fortsetzen, ohne sie zu verschlimmbessern.
  • Daten aus dem Betrieb ergänzen, etwa Buchungen, Abschlüsse oder Umsatz.
  • Einen längeren Zeitraum vergleichen, etwa drei Monate oder denselben Monat im Vorjahr.
  • Eine Sache gezielt ändern, wenn ein Muster über mehrere Monate hält.

Welcher Berichtsrhythmus passt?

Der Rhythmus hängt davon ab, was läuft und wie schnell sich etwas verändern kann. Die folgende Zuordnung ist unsere Empfehlung:

Situation Rhythmus Warum
Laufende Werbeanzeigen Kurze Kontrolle mindestens wöchentlich, Bericht monatlich Budget fließt täglich, Fehler kosten sofort Geld
Regelmäßige organische Beiträge Bericht monatlich, Rückblick vierteljährlich Ein Monat zeigt Ausreißer, drei Monate zeigen Muster
Wenige Beiträge für ein langfristiges Angebot Bericht vierteljährlich Bei kleinen Zahlen sagt ein einzelner Monat wenig
Berichtsrhythmus nach Situation

Wichtig ist in jedem Fall: Bezahlte und organische Ergebnisse gehören getrennt ausgewiesen. Laut Metas Dokumentation der Instagram Statistiken enthält die Reichweite auch Konten, die Inhalte in Anzeigen gesehen haben.

Prüfliste: Taugt dein Bericht etwas?

Mit diesen Fragen beurteilst du jeden Social Media Bericht, ohne selbst Fachfrau oder Fachmann zu sein. Je mehr Antworten „nein“ lauten, desto dringender lohnt das Gespräch mit deiner Betreuung.

Frage Woran du es erkennst
Sind Zeitraum und Definitionen genannt? Kalendermonat oder Zeitraum steht dabei, und es ist klar, was zum Beispiel als Interaktion zählt.
Stehen absolute Zahlen neben den Prozenten? „4 von 11“ statt nur „36 Prozent“.
Ist eine Geschäftszahl enthalten? Anfragen, Buchungen oder Bewerbungen, mit Angabe, woher die Zahl stammt.
Sind Anzeigen und organische Beiträge getrennt? Werbebudget und Ergebnisse aus Anzeigen sind gesondert ausgewiesen.
Werden mehrere Erklärungen genannt? Bei auffälligen Zahlen steht mehr als eine mögliche Ursache.
Wird Unsicherheit benannt? Kleine Fallzahlen oder fehlende Daten werden offen angesprochen.
Gibt es einen begründeten nächsten Schritt? Auch „weiter beobachten“ ist erlaubt, aber mit Grund.
Wird auf die letzte Entscheidung zurückgeblickt? Der Bericht sagt, was im Vormonat geändert wurde und was sich seitdem zeigt.
Prüfliste für Social Media Berichte

Welche Zahlen aus deinem Betrieb kommen müssen

Plattformstatistiken zeigen Reichweite, Interaktionen und Klicks. Buchungen, Abschlüsse, Umsatz und den Wert eines Kunden kennen sie nicht. Diese Zahlen liegen in deinem Betrieb: im Kalender, in der Kasse, im Postfach. Ein Bericht über Wirtschaftlichkeit braucht deshalb immer Zuarbeit von dir. Am einfachsten ist eine feste Herkunftsfrage bei jeder Anfrage oder Buchung und eine kurze Monatsmeldung an deine Betreuung.

Wie Reporting bei CremerMedia aussieht

Im Social Media Management von CremerMedia gehört eine Auswertung zu jedem Paket, gemessen an dem, was ins Geschäft kommt. Laut Preisseite unterscheidet sich die Tiefe je Paket:

  • Klein, 990 Euro im Monat zzgl. USt.: jeden Monat eine kurze Auswertung, was Anfragen gebracht hat und was nicht.
  • Mittel, 1.890 Euro im Monat zzgl. USt.: die Auswertung mit echten Zahlen, übersetzt in das, was sie fürs Geschäft heißen, dazu 30 Minuten Austausch im Monat.
  • Groß und Premium: zusätzlich alle drei Monate eine tiefere Auswertung, bei Premium mit einem Plan für das nächste Quartal.

Wenn du deinen bisherigen Bericht verstehen oder selbst auswerten lernen willst, eignet sich die Social Media Schulung im Format Einstieg: 90 Minuten per Zoom zu einem Thema, 490 Euro zzgl. USt. Bessere Ergebnisse aus demselben Budget kann niemand garantieren. Ein ehrlicher Bericht zeigt dir aber, wo sie möglich sein könnten.

Häufige Fragen zum Social Media Reporting

Wie oft sollte ich einen Social Media Bericht bekommen?

Das hängt davon ab, was läuft. Bei laufenden Anzeigen ist mindestens eine wöchentliche Kontrolle sinnvoll, dazu ein Monatsbericht. Bei regelmäßigen organischen Beiträgen genügt meist ein Monatsbericht mit einem Rückblick alle drei Monate. Bei wenigen Beiträgen sagt ein Vierteljahresbericht oft mehr als ein einzelner Monat.

Muss ein Bericht viele Seiten haben?

Nein. Eine Seite mit wenigen Kennzahlen, absoluten Zahlen, möglichen Erklärungen und einem begründeten nächsten Schritt ist oft nützlicher als ein langes Dashboard. Entscheidend ist, dass du nachvollziehen kannst, welche Beobachtung eine Empfehlung trägt.

Welche Zahlen gehören mindestens hinein?

Eine Zahl zur Sichtbarkeit wie die erreichten Konten, eine zur Reaktion wie Interaktionen oder Linkklicks und mindestens eine Geschäftszahl wie Anfragen, Buchungen oder Bewerbungen, mit Angabe der Herkunft. Anzeigen und organische Beiträge sollten getrennt ausgewiesen sein.

Muss aus jeder Zahl eine Änderung folgen?

Nein. Oft ist die richtige Entscheidung, weiter zu beobachten, einen Messfehler zu beheben, erfolgreiche Arbeit fortzusetzen oder einen längeren Zeitraum zu vergleichen. Eine Änderung lohnt sich vor allem, wenn ein Muster über mehrere Monate hält.

Was bedeutet es, wenn eine Quote sinkt?

Zuerst lohnt der Blick auf die absoluten Zahlen. Bei elf Fällen entspricht eine Person rund neun Prozentpunkten, kleine Veränderungen sind dann oft Zufall. Steigt gleichzeitig die absolute Zahl, etwa die der Verträge, kann eine leicht sinkende Quote sogar mit einem besseren Ergebnis einhergehen.

Kann ich Social Media Reporting auch selbst machen?

Ja. Feste Kennzahlen, ein fester Termin, Zeitraum und Definitionen gleich lassen und jede auffällige Zahl mit möglichen Erklärungen versehen. Die Plattformstatistiken liefern Reichweite, Interaktionen und Klicks. Buchungen, Abschlüsse und Umsatz musst du aus deinem Betrieb ergänzen.

Was sage ich meiner Agentur, wenn mir der Bericht nicht reicht?

Bitte konkret um Zeitraum und Definitionen, absolute Zahlen, eine Geschäftszahl mit Herkunft, getrennte Werte für Anzeigen und einen begründeten nächsten Schritt. Die Prüfliste in diesem Beitrag eignet sich als Gesprächsgrundlage.

Quellen und weiterführende Informationen

Über die Autorin

Anna Cremer

Anna Cremer ist Gründerin und Inhaberin von CremerMedia in Lennestadt im Sauerland. Sie ist seit 2006 selbstständig in der Medienbranche und seit 2012 im Online-Marketing tätig. Sie begleitet Unternehmen bei Social Media, SEO, Websites und lokaler Sichtbarkeit.

Sie bildet unter anderem Social Media Manager und SEO Manager aus und schult Marketingteams. Anna Cremer ist IHK-zertifizierte Social Media Managerin und IHK-zertifizierte Fachkraft für Webdesign einschließlich WordPress und SEO.

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